Wahre Liebe

22-07-2013 22:45

Eine ‚Love Story’ für den frühen Sonntagmorgen!

Oben auf dem Berg von Esterwegen findet man die junge Liebe.  Gerade erst am aufblühen und wunderschön anzusehen. Nun werden Sie denken, wovon redet er? Wahre Liebe begegnet einem doch überall! Da haben Sie natürlich Recht, aber dies ist keine gewöhnliche Liebe.

Kein Pärchen in einem normalen Alter. 

Keine oberflächliche Verliebtheit .

Keine verliebten Teenager. 

Nein, hier geht es um ein Paar, das noch weit von der Pubertät entfernt ist.

 

Der Ort, an dem ich oft meine Geschichten schreibe, hat freien Blick dorthin, wo sich die Straßen Am Hohlweg und der Erlenweg kreuzen. Wir wohnen und leben in einer kinderreichen Umgebung, der Autoverkehr hat sich deutlich darauf eingestellt und nimmt Rücksicht, es ist eine Gegend, wo Entspannung und Ruhe einen hohen Stellenwert haben.

Die meisten der jungen Familien haben viele Kinder in verschiedenen Altersgruppen, wobei die jüngsten Sprösslinge natürlich die Lieblinge des Wohnviertels sind.

Klaas und Chanel sind da ein ausgesprochen gutes Beispiel dafür.

Klaas nähert sich mit rasenden Schritten dem respektablen Lebensalter von 2 Jahren und beginnt verständlich zu plappern. Sein Vokabular wächst von Tag zu Tag. Klaas hat eine Schwester, die ein paar Jahre älter ist und ihn beschützt wie eine Glucke.

Chanel hat diese Altersgrenze schon vor ein paar Monaten genommen und hat einen deutlichen Vorsprung. So wie es sich für eine richtige Dame gehört, weiß sie genau mit Worten auszudrücken, was sie will und was nicht. Chanel ist die jüngste von drei Schwestern und wird durch die beiden anderen bemuttert. Chanel ist es gewohnt, ihren Willen zu bekommen  und lässt dies auch, ab und zu, deutlich merken. Natürlich ist Chanel einige Monate älter als Klaas, aber nun, im Alter merkt man fast nichts mehr von diesem Altersunterschied.

 

Klaas wohnt mit seiner Familie oben auf dem ‚Berg’.

Der Weg zu Chanel verläuft ein wenig bergab. Klaas schafft es regelmäßig, der elterlichen Fürsorge zu entkommen. Klaas fährt dann mit seinem Laufrad nach unten. Das geht mit einer Schnellheit, dass ich mir oft ans Herz greife ob das wohl alles gut geht. Auf der Höhe des Gartens des Hauses, wo Chanel wohnt (und das genau vor dem Fenster von meinem Arbeitszimmer), steigt Klaas voll in die Bremsen. Seine Hacken stemmt er dann mit voller Kraft in den Asphalt und kommt so zu stehen. Er steht dann mitten auf der Straße, zwischen seinen Beinen eingeklemmt die stählerne Version vom ‚weißen Pferd’. Klaas schaut dann zur Vordertür, an der wohlmöglich jederzeit ‚seine’ Chanel erscheinen könnte.

 

Zu dieser Zeit bin ich dann meistens schon draußen. Den Platz, an dem Klaas sich jetzt aufhält, so mitten auf dem Weg, scheint mir doch ein wenig gefährlich zu sein und darum schnell raus. Klaas steht immer noch auf dem Weg, das Laufrad lose zwischen den Beinen, beide Hände sind tief in den Hosentaschen vergraben. Seine nahezu weißen Locken fliegen im Wind und das Sonnenlicht sorgt dafür, dass es aussieht, als hätte er einen Heiligenschein um sein schönes Köpfchen. So steht er da, still wartend, bis Chanel erscheint.

 

In den letzten Tagen ist Klaas traurig. Sein schnelles vorpreschen zu Chanels Haus wird nicht mit ihrem Erscheinen belohnt. Nicht dass Chanel den täglichen Kontakt mit ihm nicht mehr möchte, oh nein, die Tatsache, dass sie nicht erschienen ist, ist vielmehr von praktischer Art. Chanel und ihre Familie sind seit einer Woche in Urlaub. Natürlich hat man Klaas erzählt, dass Chanel mal eben weg ist. Aber wie erzählt man einem verliebten Kleinkind, dass die Liebe seines Lebens  ihn ‚mal eben’ verlassen hat, um in Urlaub zu fahren? Ich stehe inzwischen draußen und beobachte Klaas, dass er keine weiteren gefährlichen Aktionen mehr macht. Plötzlich wird Klaas sich meiner Anwesenheit am Straßenrand bewusst. Er sieht mich an und zaubert ein Lächeln zum Vorschein, das von Ohr zu Ohr reicht.

 

Wir stehen so da und schauen uns gegenseitig an. Blicke mit gegenseitigem Verständnis werden gewechselt. Ich durchbreche das Schweigen in dem ich sage:

„Moin Klaas“.

Klaas schaut mich an und beginnt zu strahlen, hält seinen Kopf ein bisschen schräg, holt eine Hand aus den Tiefen seiner Taschen und streckt sie hoch in die Luft zur spontanen  Begrüßung.

Winkend sagt Klaas:

„Moin“ und verfällt wieder in Stille, dann schaut er mich durchdringend an, sein Lächeln verblasst ein klein wenig und sein fröhlicher Blick wandelt sich in einen Fragenden.

„Chanel Urlaub???“ Ich nicke und sage ihm, dass es noch ein paar Nächte dauert, bis sie wieder zurück ist.

Ein wenig niedergeschlagen dreht Klaas sein Laufrad um und geht wieder nach Hause. Seine Mutter steht schon an der Straße und wartet auf ihn und erzählt Klaas etwas umständlich, dass er nicht immer den Weg so runter fahren soll. Es scheint allemal ein klein wenig an Klaas vorbei zu gehen.

Wir sind so etwa 6 Tage weiter. Es ist Montagmorgen und Klaas kommt wider auf seinem Zweirad angelaufen. Wieder staubt der Staub von der Straße hoch als er zum Stillstand kommt. Wieder fliege ich nach draußen, mir Sorgen machend, ob alles gut gegangen ist. Ich laufe von der Vordertür zur Straße und sehe, dass Chanel nach draußen kommt.  Die Familie ist gestern Abend aus dem Urlaub zurück gekommen.

Dann spielt sich folgende Szene ab:

 


Chanel sieht Klaas.

Klaas sieht Chanel.

Klaas wirft sein Rad auf den Boden und rennt quer durch den Garten zu Chanel.

Chanel hält mit und läuft Klaas entgegen.

Beide lachen so wie nur verliebte Menschen lachen können und vergessen die Welt um sich herum. Sie fallen  sich gegenseitig in die Arme und tanzen auf d

em grünen Gras einen Tanz der puren Freude.

 

Die Welt gibt es nicht mehr.

Die Welt heißt Klaas und Chanel.

Nur die Musik aus dem Film ‚Titanic’ fehlt noch, aber die Sterne sieht man sprühen!!

 

 

Ach, es gibt kein schöneres Bild um die Woche zu beginnen wie das dieser jungen Liebe, ganz bestimmt!

 

 

Übersetzung ins Deutsche © Martin Hauschke, im Juli 2013

Im Original ‚Echte liefde!’ © Rob Barlage