‚Unser Sjipke ist ein besonderes Tier’

03-08-2012 15:58

 

 

   Eines von Sjipkes bevorzugten Stofftieren

 

 

Unser Sjipke
Die meisten von Ihnen wissen inzwischen, dass wir einen besonderen Hausgenossen haben, unseren Welsh Springer Spaniel. Das Tier weiß uns nahezu jeden Tag wieder in Erstaunen zu versetzen, mit den seltsamen und unerwarteten Dingen, die er uns vorführt. Meistens einfach spontan, sich selbst beigebracht und ohne die Möglichkeit, da mehr rauszubekommen.

Eine von diesen seltsamen Verhaltensweisen ist etwas, was Els im ungewollt beigebracht hat. Morgens sind wir, Sjipke und ich, oftmals eine Stunde eher aus den Federn als unsere Chefin. Meine Frau kommt nur raus, wenn es Frühstück gibt!! Das Frühstück muss dann schon bereit stehen, zusammen mit einem guten Becher schwarzen heißen Kaffee. Sehen sie, so beginnt man einen Tag!

Frühstück
Sjipke hat es Morgens haargenau im Blick, dass ‚Sie’ jeden Moment reinkommen kann. Wie er mir beim Vorbereiten zusieht, mit Kaffeetassen, Frühstückbrettchen, Auflagen und den unübertroffenen „Twentse handgemachten Zwieback“ (was daran nun handgemacht ist, habe ich nicht auch noch nicht begriffen, aber was soll’s!) und die Tablettenschachteln klappern hört, als ich die unvermeidlichen Pillen in nahezu zwei gleiche Haufen aufteile. (Ach ja, wird sind jetzt auch in der Altersklasse, in der wir von der chemischen Industrie abhängig sind!)

Dann ist das für ihn das Zeichen, dass seine größte Freundin jeden Moment die Küche betreten wird und ihm mit erhöhter Stimme Worte zu zusprechen beginnt. Eine Stimme, die ihn ausgiebig für die Tatsache lobt, dass er da ist.
Mit jedem Wort von Els beginnt sein ‚LOL-Meter’, so wie ein alter Nachbar mal seinen Schwanz nannte, noch heftiger an zu wedeln.


Ein gutes Gespräch
Sjipke beantwortet das Getue von Els mit einem unverständlichen gemumpel. Gleichzeitig steckt e seinen Kopf zwischen die Knie von Els, um zu zeigen, das es ihm sehr gefällt und ‚nebenbei’ deutlich macht, dass der totale Höhepunkt, was ihn betrifft, ist, wenn Els seine beiden langen Ohren schnappt und ihn ausgiebig hinter den Fleischlappen krault. Diese Pose kann, was ihn betrifft, Stunden dauern! Els hingegen findet es meistens für eine Minute oder so ganz nett, was er ihr aber nur schwerlich verzeihen kann.
Er akzeptiert es, weil wiederum der nächste Teil des Rituals für ihn überaus reizvoll ist.

So wie ich jeden Morgen, mit viel Liebe, für meine liebe Frau ein Frühstück fertig mache, so macht meine liebevolle Frau mit viel Gefühl, ein Frühstück fertig für unseren Hund. Geduldig nimmt er hinter ihr platz, immer noch kräftig mit dem Schwanz wedelnd, so als ob sein Leben davon abhängt.

Sobald das Vier-Sterne Futter (Ich meine: Truthahn, mit Mais, junge Erbsen und in einer Brühe gekochte Kartoffeln, oder was halten sie von leicht gegartem Lachs, wiederum mit einer in Schale gekochten und danach gepellten Kartoffeln mit Erbsen und Möhren, nur um mal was zu nennen, kann man doch ruhig so bezeichnen.) bereit ist zum Verzehr, geht Els zum Stammplatz, wo der Napf mit dem Futter hingestellt wird und Sjipke seine Mahlzeit zu sich nehmen kann.

Ermunterungen
Zumindest ……. erst als Els ihn mit der hohen Stimme ermutigt und ausgiebig erzählt hat, was da für leckere Sachen drin sind. Sitzend sieht er sie durchdringend an, mit einem Blick, als ob er jedes Word von ihr auf Richtigkeit prüft. Nachdem Els mit dem Anpreisen fertig ist, steht er auf und läuft auf sie zu. Probiert dann doch noch eben, ob der Trick ‚Kopf zwischen die Knie und kraulen hinter den Ohren’ glückt, bis er echt davon überzeugt ist, dass Els auf sein Vorhaben nicht eingehen wird, dann sieht er sie an und ……………….... wartet.

Er wartet, bis Els zwei oder drei Stückchen von dem Essen aus dem Napf nimmt und ihm das als sein großes Spiel präsentiert, ihm dabei nochmals ermutigend zuspricht, das es wirklich wunderbar ist. Erst nachdem so zwei oder drei Stückchen auf diesem Wege ihren Weg ins Innere gefunden haben, ist der Herr dann auch bereit, diesmal selbstständig, den Rest vom Futter zu sich zu nehmen.

Die Art und Weise, wie das geschieht macht deutlich, dass es ihm ausgezeichnet schmeckt.
Wie es bei den Chinesen sehr gebräuchlich ist, beschließt auch unser Sjipke seine Mahlzeit mit einem Bäuerchen, das auch sein muss.

Einmal angelernt….
Das Verhalten, seinen Kopf zwischen die Knie von Menschen zu stecken und dann zu warten, bis sie ihm hinter seinen Ohren kraulen, hat er sich so zu eigen gemacht und tut dies an den seltsamsten Plätzen und Momenten. Menschen, die Sjipke kennen, haben inzwischen akzeptiert, dass er das tut und sie beginnen unmittelbar damit das zu tun, was er will. Meistens unter dem aussprechen von zumeist Blödsinn, aber dass kann die Freude von Sjipke nicht nehmen. Nein, ein Problem wird es, wenn Sjipke einen wild Fremden plötzlich nett findet. Ich werde mal ein Beispiel geben.

Wir gehen mitten in der Innenstadt von Oldenburg. Sjipke hat bei dieser Art von Ausgang ständig ein Stofftier in seinem Maul. Bevor wir losgehen, dauert es ungefähr genauso lang bis er das richtige Stofftier ausgewählt hat, wie Els benötigt um loszukommen. Ich mein ja nur!
Nun, er läuft immer so zwei bis drei Schritte vor uns, Sjipke läuft eigentlich nie an der Leine, normal weil er nie wegläuft und uns immer haarscharf im Blick hält. Das uns vorauslaufen geht mit einer Haltung wie ‚Erzähl mir nichts, weil, ich kenn den Weg, einfach wie immer folgen!’

Menschen die uns entgegenkommen und ihn sehen, verändern nahezu alle ihren Ausdruck. Natürlich ist es ein rührender Anblick, das alberne Tier mit der Stoffente im Maul so rumstapfen zu sehen.
Die Ooooo’s und Aaaaa’s kommen dann auch nicht von ungefär.

Ein großes Ego
Bei jedem, der an ihm vorbeikommt und rührig anschaut, sieht man sein Ego wachsen. Sjipke genießt seine ungeahnte Popularität. Er tut dies auch mit einer gewissen Arroganz, seine Nase hoch und den Blick gerichtet auf seine neuen Bewunderer. Wenn diese neuen Bewunderer dann auch noch mit einer erhöhten Stimme erzählen, wie schön doch nicht ist und wie lieb er doch die Stoffente mit sich rumschleppt, tja, dann gibt es kein Halten mehr.
Meistens dreht Sjipke sich dann wohlwollend rum in die Richtung von denjenigen, der die lobenden Worte spricht und tritt ihm/ihr ins Gemüt mit einem Blick ‚Nun, denn man los, mach mal eben’. Siehen sie, und dann beginnen meistes die Probleme.

Sjipke legt dann gelassen sein Stofftier nieder und steckt dann, bei den wild fremden Menschen plötzlich seinen Kopf zwischen ihre Knie. Tja, dieses Verhalten wird dann oftmals durch die freundlichen Passanten nicht verstanden, sie treten dann verschreckt zurück. Was dann wiederum für Sjipke eine Ermunterung ist, noch mehr darauf zu drängen, seinen Kopf noch fester zwischen die Knie der Menschen zu stecken.

Meistens kommen dann Els und ich schnell angelaufen, um den Menschen das ‚seltsame’ Verhalten zu erklären. Dies führt dann wiederum dazu, dass die meisten Menschen wegen des seltsamen Verhaltens in Lachen ausbrechen und ihm seinen Willen geben und beginnen, ihn doch noch hinter den Ohren zu kraulen.

Menschen zerfließen
Was unseren Sjipke erneut darin bestärkt, das seine Vorgehensweise von den ‚Fremdlingen’ der richtige Weg ist um seinen Willen zu bekommen. Ach, diese Ausflüge sind an sich immer ein kleines Fest, es ist einfach schön zu sehen, wie verschieden die Reaktionen der Menschen sind (und sie dahin schmelzen zu sehen), vor so einem rührenden Hund, nicht wahr?


Original © Robert Barlage
Übersetzung © Martin Hauschke, im August2012