Scheiß Holländer!!

27-03-2012 19:13

 


Einkaufen gehen!

Seit dem wir in Deutschland wohnen, haben wir noch mehr Besuch, der zum Übernachten bleibt. Meistens einen Anreisetag, einen Tag, um schöne Dinge miteinander zu tun und einen Tag der Abreise nach dem Frühstück. So auch diese Woche. Gute Freunde von uns, die in der Nähe von Bergen op Zoom leben, riefen Ende vorheriger Woche  kurz an, schnell war ein Termin abgesprochen, Dienstagmittag würden sie ankommen.

Sie hatten eine wirklich stressige Zeit hinter sich und es wurde wirklich Zeit, mal eben rauszukommen. Die wohl etwas größer ausgefallene Renovierung ihres Hauses hatte sie über Wochen aus dem normalen Lebensrhythmus geworfen. Ihr Haus hat sich inzwischen in eine komplette Baugrube verwandelt. Am Dienstagnachmittag haben wir dann abgesprochen, am Mittwoch durch einige Bau- und Heimwerkermärkte zu streunen, um die letzten Dinge für das neue Bad zu kaufen. Anschließend wollten wir dann am Nachmittag noch etwas Zeit im großen Einkaufszentrum  ‚Famila’, am Stadtrand von Oldenburg gelegen, zubringen. Oldenburg liegt so etwa zweihundert Kilometer von der Niederländisch-/Deutschen Grenze entfernt.

Die Einkäufe in den Heimwerkerläden waren unerwartet schnell und gut verlaufen. Wir waren wieder einmal erstaunt darüber, wie groß doch der Preisunterschied für derartige Einkäufe zu den Niederlanden ist, und dass es allemal lohnenswert ist, dafür mal eben über die Grenze zu hüpfen. Wir waren in einer ausgelassenen Stimmung, ein wenig so das Gefühl, als ob uns die ganze Welt  zulachte und wir lachten dann auch mehr als herzlich zurück.

Unbemerkt, ganz in Gedanken durch das ausgelassene Gerede, fuhr ich dann auf den riesigen Parkplatz des Einkaufszentrums. Die Suche nach einem Parkplatz hatte seinen Anfang genommen. Was auffiel, war, dass die Parkplätze zu neunzig Prozent gefüllt waren und das dabei viele ‚Niederländer’ dazwischen standen. Die gelben Kennzeichen vielen natürlich auf, zwischen den weißen deutschen Schildern. Da wir nun etwa vier Jahre in Deutschland leben ist mein Auto, selbstverständlich, auch mit ein paar echten deutschen Nummerschildern ausgerüstet. Der aufmerksame Beobachter kann  an den auffallenden NL-Buchstaben in meinem Kennzeichen erkennen, dass ich von holländischer Herkunft bin. Genau wie die vielen anderen Niederländer, die den Sprung über die Grenze gemacht haben, habe ich mich dafür entschieden, dem liebgewonnene NL, als eine Art Ursprungshinweis, einen Platz auf dem Nummernschild zu geben.

Wie gesagt, die Stimmung im Auto war ausgelassen, fröhlich und albern. Selbst nach der zehnten Runde um den Parkplatz und wieder keine Stelle gefunden zu haben ließ der Mut nicht nach. Plötzlich klang es aus drei Kehlen zugleich bei mir im Wagen: „ Daaaaa!!!“. Meine drei Passagiere hatten nahezu gleichzeitig einen freien Parkplatz am Ende des Weges entdeckt. Es kam da eine Auto raus, das eindeutig wegfahren wollte. Ich setzte gleich meinen Blinker nach links, um anzuzeigen, dass ich auf dem gerade freigewordenen Platz parken möchte. Von der anderen Seite des Weges kam ein Auto mit dem unverkennbaren gelben Schild. Es musste wohl ein Niederländer sein. Ohne rot zu werden, fuhr er auf den freien Parkplatz und wir hatten das Nachsehen. Wie gesagt, die Stimmung im Auto war bestens und sicherlich durch das Verhalten dieses Mannes nicht kaputt zu kriegen.

Natürlich flogen, lachend, die Vorwürfe an die Adresse des Mannes gerichtet durchs Auto. Beim langsamen Vorbeifahren sah ich den Mann aussteigen und mich eindeutig muffig anschauend, mit einem ziemlich triumphierenden Blick.

Worauf ich laut  und ausgelassen zu meinen Mitreisenden sagte: „Da habt ihr wieder so’n scheiß Holländer“.

Die deutsche Variante des oft in den Niederlanden verwendeten Ausdrucks: „daar heb je weer zo’n rot mof!”  [rot mof -> Scheiß Deutscher, Anmerkung M.H.]

Der Mann war offensichtlich in der Lage, meine Lippen zu lesen und explodierte beinahe. Obwohl wir da saßen und lachten, reagierte der Mann wie von der Hornisse gestochen. Ich war unterdessen am ‚Tatort’ vorbei und drehte zweimal nach links und kam dann wieder dort an, wo der Niederländer geparkt hatte.

Der Mann kam nun angestürmt mit einer geballten Faust und in seinem Kielwasser, wie ich annehme, seine folgsame Frau. Diese versuchte, ihn mit aller Macht zu stoppen. Was wiederum eine ziemlich komische Wirkung hatte. Ein Mann mit rot angelaufenem Gesicht, der alles versuchte, um aus den Fängen seiner Frau zu entkommen, wild schreiend zu mir, dass ich ihn keinen „Scheiß Holländer“ nennen solle.

Ich lasse das Auto ein klein wenig langsamer fahren, um dem Mann die Chance zu geben, ohne sich zu sehr anstrengen zu müssen, dem Wagen zu folgen. Inzwischen hatte ich schon das Fenster abgesenkt. Mit einem unmissverständlichem Amsterdamer Akzent rief ich dem Mann zu: „Wie Bitte??“ Der Spaß im Auto nahm mehr und mehr zu. Es war natürlich auch zu albern. Auf einem Deutschen Parkplatz, zwei Niederländer , die beide ihr bestes Deutsch herauskehrten! Die Frau, die als Anker fungierte für einen durch geknallten Mann und drei Passagiere, die sich vor Lachen in die Hosen pinkeln.

Das hatte auf den Mann gerade einen gegenteiligen Effekt. Er schüttelte seine Frau von sich ab und wurde dadurch gleichsam in unsere Richtung getrieben, hat noch mal Luft geholt und begann, einige ziemlich grobe Beleidigungen an meine Adresse loszulassen.  In dem Augenblick erschien es mir sinnvoller, ihn nicht mehr in Deutsch anzusprechen, sondern nur noch in einem waschechten Amsterdamer-Platt.  Das Deutsch erwies sich wie ein rotes Tuch  für einen durchgegangenen Stier. „Sagen sie mal, sind sie jetzt total bescheuert? Sie können sich hier nicht wie ein Idiot aufführen. Niemand nimmt ihnen das Recht, dort zu parken, und dass wir Spaß haben gibt ihnen nicht das Recht sich wie ein Idiot aufzuführen“, warf ich ihm an seinen roten Kopf.

Der Mann blieb so abrupt stehen, dass seine Frau hart gegen ihn anknallte, sein Mund stand offen, seine Lippen versuchten Worte zu formulieren, aber es kam kein Ton mehr heraus. Der Mann war mit Stummheit geschlagen und gab kein Widerwort mehr als ich ihm in  Niederländisch  antwortete. Wir haben über diesen komischen Vorfall noch herzlich gelacht. Nachdem wir endlich einen Parkplatz gefunden hatten, sind wir in das Einkaufszentrum gegangen.

Nach ungefähr einer Stunde und vielen Plastiktaschen später, kamen uns eine Frau und ein Mann entgegen gelaufen.  Der Mann zog den Kopf nach unten und ging einwenig verstohlen an uns vorbei. Wir kuckten uns gegenseitig an und fingen alle an zu lachen!

Die „Scheiß Holländer“ aber auch!!

Original © Robert Barlage, Übersetzung © Martin Hauschke im Oktober 2011