Illegale Besetzung

27-03-2012 19:20

 

 

 

 Hausbesetzung auf einem Balken

Illegale Besetzung

(Original von Robert Barlage, Übersetzung von Martin H.)

Wir haben seit einer Woche ein sehr ärgerliches Problem. Wir haben es mit der illegalen Besetzung eines Teils unseres Hauses zu tun. Wir wohnen und leben am Rand von Esterwegen, sozusagen an einem Dreiländereck. Hier treffen Dorfgrenze, Weideland und Wald zusammen. Der ideale Platz um von allem zu genießen, was Mensch und Natur uns gibt. Kurzum, auch der ideale Platz für das Errichten von illegalen Bebauungen. Die illegale Bewohnung an sich stellt kein Problem dar. Es ist nicht nur so, dass es sich hier um zwei konkurrierende Paare handelt. Sie streiten gegenseitig um den besten Platz im Haus und dabei geht es nicht sanftmütig zu. Dabei kommt es zu Belästigungen und deshalb sind wir dabei, drastisch einzugreifen. Eigentlich auf einem Dreiländerpunkt, sozusagen.

Nun ist das eine Ehepaar so schwarz, dass man sie, anstandshalber, das „blaue Pärchen“ nennen könnte. Das andere Pärchen ist etwas konservativer und schmückt sich mehr in grau, wobei die Kopfbedeckung schon sehr grau ist. Das gibt ihnen eine Ausstrahlung der Klasse Verrat. Er ist mehr unterschiedlich grau an den Schläfen. Es sieht so aus, als hätten sie ein ordentliches Alkoholproblem. An sich muss das dann auch Problem sein, wenn man schon älter ist. Nein, das eigentliche Problem ist, dass sie so einen Unrat machen. Sie räumen normalerweise nichts weg und lassen überall die Kronkorken von den Bierflaschen rumeiern, ebenso die Chips-Tüten.

Das andere Paar, die etwas helleren Typen, sind dagegen ein Stück ruhiger und konservativer. Sie gibt dem Teetrinken den Vorrang während er sich mit dem Rumbasteln an verschiedenen Dingen beschäftigt.
Geht keinem einzigen Experiment aus dem Weg und benutzt für seine kreativen Ziele hauptsächlich Materialien aus Kunststoff, Nägel, Schrauben aus Edelstahl, Dachnägel und Bindematerial benötigt er um seine Kunstwerke zusammen zu halten. Kurzum, ein gewisses Maß an Fleiß kann man allen Vieren nicht absprechen.
Nun stellt sich uns die Frage, schmeißen wir sie raus oder lassen wir sie sitzen.
Wenn wir sie bleiben lassen, wen lassen wir dann bleiben? Alle vier bleiben zu lassen geht nicht. Wie so oft in fremden Kulturen zu sehen, können sie, so wie sie nun mal sind, nicht durch eine Tür. Es muss also eine Entscheidung getroffen werden.
Meine Frau und ich haben beschlossen, uns das mal anzuschauen, einfach mal kucken, wie die Streitereien verlaufen und wenn diese dann beigelegt sind, die Situation dann auch zu akzeptieren. Nichts zu tun ist durchaus eine Option.
Sehen Sie, ein eigenes Haus zu haben ist auch noch keine Garantie dafür, weiterhin unbeschwert durch das Leben zu gehen.

Ach, Sie werden es bestimmt schon verstanden haben, doch. Wir haben es hier mit einem Pärchen Stare und mit einem Pärchen Dohlen zu tun.
Jeden Morgen wenn ich aufstehe, ist der Garten übersäht mit Baumaterialien für ein Nest. Nun sind beide keine begnadeten Architekten aus der Schule van Berlage, aber beide probieren alles, um eine solide Konstruktion hinzulegen. Die Stare sind die frühen und harten Arbeiter. Sie beginnen so um halb sechs Uhr und machen durch, bis die Dohlen wach werden und damit beginnen, sich einzumischen.

Die Dohlen haben genau denselben Balken ausgekuckt, um ihr Zelt aufzuschlagen wie die Stare. Tja, und zwei Nester auf einem Balken ist des Guten natürlich etwas viel (ich meine, zwei Kulturen so eng beieinander, das wird wohl Reibereien geben, oder?).
Nun, die Dohlen sind etwas später wach und beginnen sofort mit dem Abreißen des Starennestes. Da geht es mit einem unheimlichen Fanatismus ans Werk.
Die Stare kucken dann erstmal etwas verdattert aus der Wäsche.
In einiger Entfernung sieht man, dass Papa Star in Spee sich so zusammenreißt, bis er all seinen gesamten Mut zusammen hat um zum Angriff überzugehen.
Nach etwas einleitendem Geschrei schüttelt er seine Federn und startet einen Sturzflug.
Sieh an, das schluckt Papa Star also nicht. Die grauen mögen dann wohl größer sein aber das sagt noch nicht, dass er ohne Kampf „seinen“ Balken aufgibt. Nein, er geht mit voller Überzeugung ins Gefecht. Jagt auf die Dohlen, als ob sie ebenbürtig wären.

Nach diesen einleitenden gegenseitigen Drohungen geben die Stare auf und fliegen in einen Baum, Zusammen mit Mama Star beobachten beide, was als nächstes passieren wird.
Zu Beginn ging das Ehepaar Dohle gemeinsam auf die Suche nach geeigneter Ausstattung für das Nest. Die Dohlen deponieren allerlei, sorgfältig ausgesuchtes Nistmaterial auf dem Balken, welches dann durch Freund Star ebenso schnell wieder nach unten gedonnert wird.

Und ich, ich laufe den ganzen Tag rum, um den Schutt wegzuräumen. Ich habe die Bio-Tonne inzwischen so positioniert, dass das meiste Material, was in der Hitze des Gefechts wieder nach unten kommt, direkt hinein fällt. Alles was darum herum liegt, räume ich dann wieder weg. Ich bin gespannt, wann das erste junge Leben sich melden wird. Nicht nur wann, sondern auch, wie es aussehen wird. Meine Frau hat beobachtet, dass Papa Star bei Mama Dohle Annäherungsversuche unternimmt. Ach, wenn das mal gut geht?

Sobald es soweit ist, werden die Geburtskarten verschickt, ich halte euch auf dem neuesten Stand von dem zarten Glück!

Um Sie zu überzeugen, habe ich die Bilder auf Picasa eingestellt. Dann können sie sich mit eigenen Augen davon überzeugen, welches Chaos die zwei Baumeister hinterlassen!
https://picasaweb.google.com/rob.barlage/NestjeBouwen02#