Es ist wirklich herbst !!

18-10-2012 07:44

 

Es ist wirklich Herbst!!

 

Während ich dies hier niederschreibe, gießt es wie aus Eimern aus einem grauen Himmel.

 

Auch Sjipke weigert sich seine Nase weiter als unbedingt notwendig mach draußen zu stecken.

Dies liefert, mit Tagen dieser Art, ein ziemlich amüsantes Bild von uns von Zuhause.

 

So gegen acht Uhr morgens sage ich zu ihm, dass er jetzt doch mal eben nach draußen  muss.  Ich gehe dann durchs Haus zur Garage, mit in meinem Kielwasser ein lebhafter Hund.

Fröhlich mit dem Schwanz wedelnd steht er dann vor der Garagentür, darauf wartend, dass ich den Schlüssel rumdrehe. Oft dauert es ihm zu lange, er beginnt dann immer damit, diese verrückten Geräusche zu machen.

Ich mach die Tür auf und noch bevor ich meine Jacke und Schuhe anhabe, fliegt er schon nach draußen. Er stoppt abrupt, als er am Ende des Carports ankommt und dreht sich augenblicklich um, als die ersten Tröpfchen seine voraus eilende Nase erreichen.

 

Ohne mich auch nur eines Blickes zu würdigen läuft er, mit hängendem Kopf, an mir vorbei wieder nach drinnen. Ich weiß dann schon, was die Stunde geschlagen hat, der Herr hat absolut keine Lust, schon morgens tropfnass zu werden. Er hält lieber sein Bedürfnis auf als dass er durch die nasse Welt stapft um sein Geschäft erledigen zu können.

Ich schließe dann folgsam die Tür und gehe auch wieder rein. Es macht überhaupt keinen Sinn mich klatschnass regen zu lassen und dabei auf meinen Hund zu warten.

 

Nach so einer guten halben Stunde kommt dann der zweite Versuch. Er legt dann den Kopf auf meine Knie, sieht mich starr und durchdringend an.

Er hält das so lange voll, bis ich aufstehe und seinem durchdringenden Blick nachgebe. Ich stehe auf und erzähle ihm, dass es immer noch in Strömen gießt; daraufhin läuft er zur Küchentür, steht einige Zeit regungslos da und schaut nach draußen.  Als er sich umdreht und mich ansieht, sage ich zu ihm:

„Nun, Freund, erzähl mal, gibt es jetzt eine nasse Packung?  Oder hast du noch keinen Sinn darauf?“

 

Normalerweise läuft er dann schnurstracks an mir vorbei und geht zurück ins Wohnzimmer. Er legt sich dann mit einem tiefen Seufzer, der sagen soll, dass ein Hundeleben auch nicht auf Rosen gebettet ist, in einen von den großen Sesseln, kuckt noch eben in die Runde und ist dann wieder an einem Ort, der im sichtlich besser gefällt , in Anbetracht des zufriedenen Geschnarche, das er von sich gibt.

 

So gegen halb zehn muss es geschehen. Ich meine, wir können doch nicht riskieren, dass das Tier im Haus  auseinander plumpst und wir nachher mit dem ganzen Elend dasitzen. Entschlossen wecke ich ihn jetzt auf.

„Komm hoch, wir gegen unser Geschäft erledigen!“ rufe ich so enthusiastisch wie möglich (nur um das zu verdeutlichen, dieses „wir“  ist natürlich  im übertragenen Sinne gemeint. Nicht das sie jetzt denken, das wir zusammen in der freien Natur, brüderlich nebeneinander stehend, unsere Blase entleeren. Ich mach das normalerweise im Haus auf dem dafür vorgesehenem Platz!! Noch mal, nicht dass sie das falsch verstehen!).

 

Unter Protest verlässt er dann den großen Sessel, in dem er es sich gemütlich gemacht hatte. Gibt einen tiefen Seufzer von sich und trottet mir nach in die Garage. Ich ziehe Regenkleidung an und ein paar Gummistiefel. Während ich das tue, werde ich intensiv von Sjipke beobachtet. Er gibt ungefragt  und ohne einen Laut von sich zu geben sein Urteil ab über das, was ich gerade mache. Sein vernichtender Blick sagt mir alles. Es ist klüger, jetzt nicht in den Spiegel zu schauen.

 

Ich mach die ersten Schritte nach draußen, während Sjipke, immer noch hoffnungsvoll,  in der Türöffnung steht und mich anschaut. Er hat einen hoffnungsvollen Blick, so in der Art wie „Nun ja, vielleicht überlegt er es sich ja noch einmal, wenn ich nur lang genug hier stehen bleibe.“

 

Was natürlich eine Fehleinschätzung meines starken Charakters ist.

Ich spornte ihn an:

„Komm, du bist ein toller Kerl! Ein bisschen Regen schreckt uns doch nicht ab? Sie nennen es doch nicht umsonst Hundewetter!!“

Noch hält er an seinen tötenden Blicken fest, von der trockenen Stelle aus, wo er jetzt steht.  Er macht immer noch keine Anstalten, mir zu folgen. Ich gehe zur Ecke des Hauses, meinen Kopf in der Kapuze meiner Jacke vergraben. An der Ecke drehe ich mich noch einmal um. Er ist nicht verändert in seiner Haltung und immer noch zuversichtlich drein schauend in der Art wie „Das meint er jetzt nicht ernst!“

 

Nun, er meint es aber doch. Ich gehe jetzt normal weiter, als ob es egal ist, ob Sjipke kommt. Allein die Tatsache, dass ich vor seinen Augen aus seinem Gesichtsfeld verschwinde war genug, um in zu überreden, in das nasse Leben einzutauchen. Mit großen Sprüngen rennt er nun an mir vorbei und rennt zur anderen Seite der Straße, zu dem Platz,  an dem die anderen Nachbarhunde immer ihre Duftmarken setzen. Jetzt will er zeigen, wer hier der Chef ist.

 

Nun, das kann mein vierfüßiger Freund nicht hinnehmen. Er pinkelt eine volle Ladung über die Stelle; von denen die hier vorher gepinkelt haben,  würde er nicht mal ein ‚Leberwurstbrot’ annehmen! Oder er will damit zum Nachbarhund sagen, „hier gibt es nur einen Boss, und das bin ich.“

Inzwischen nimmt der Regen die Form eines Wasservorhangs an. Wirklich, wie aus Eimer schüttet es. Sjipke ist inzwischen bis auf die Haut durchgenässt, nun bekommt er Lust darauf, im Regen zu laufen. Es macht ihm überhaupt nichts mehr aus, alle Bremsen sind nun gelöst und er verschwindet mit großen Sprüngen im Winterraps, der hier immer noch in voller Blüte steht. Die Rapsfelder sind ein wahres Paradies für alles Nieder- und Kleinwild, das hier noch anzutreffen ist.

 

Nach einer Weile taucht er dann wieder auf, unnötig zu sagen, dass der ‚Sauhund’  dann zum auswringen ist.

Nicht nur das Wasser, nein,  auch die Tatsache, dass er quer über den Acker gerannt ist, hat Spuren in seinem Fell hinterlassen.

Sjipke ist nun so schwarz wie er nur sein kann, der Matsch rinnt aus seinem Fell als ob er seinen eigenen Schlammstrom produziert. Das wird wieder getrocknet und gefönt.

 

Eben kurz ausgeschüttelt, kurz bevor wir reingehen, befreit er sich von dem überschüssigem Wasser.

Nachdem ich mich von der ganzen Regenbekleidung befreit habe, setzte ich ihn auf die Werkbank, wo schon ein paar Handtücher liegen und darauf warten, das meiste Wasser und den gröbsten Dreck aus seinem Fell heraus zu holen. Nachdem er, so gut wie möglich, mit den Handtüchern trocken gerieben wurde ist es nun Zeit für die größeren Geschütze, der Fön wird rausgeholt.

 

Von klein auf an ist er daran gewöhnt, trocken gefönt zu werden, er genießt den warmen Luftstrom, wie er über sein durchgeweichtes Fell zieht.  Aber das schönste für ihn ist es, wenn sein Bauch an der Reihe ist. Er wirft sich mit einem Schlag auf den Rücken und alle vier Pfoten  zeigen beinahe senkrecht in die Luft. Der warme Luftstrahl  bringt ihn dazu, sich genussvoll rekelnd hinzulegen.  Weg mit der nassen Kälte, willkommen in der Wärme.

 

Er ist nun trocken und soll wieder von der Werkbank runter. Tja, und das ist nun nicht seine Absicht. Er genießt es so sehr gefönt zu werden, dass er sich hoffnungsvoll noch einmal auf den Rücken legt. Als ich im deutlich mache, dass es jetzt genug gewesen ist, lässt er sich willig von der Werkbank helfen und läuft mit erhobener Nase wieder ins Wohnzimmer, wirft sich in seinen Sessel und binnen einer Minute liegt er wieder da und schnarcht.

 

Ach, so eine nasse Packung ist so schlecht nun auch wieder nicht!!!

 

Inzwischen sind wir wieder einen Tag weiter, heute Morgen schien die Sonne, ist doch besser als so eine nasse Packung!!

Tja, es ist eben wirklich Herbst!

 

Nun, liebe Leute, einen schönen Tag noch!

 

 

© Martin Hauschke, Übersetzung ins Deutsche

© Robert Barlage, Original in Niederländisch