Ein Tag aus Sjipkes Leben!

21-01-2013 09:10

 

Einkaufen in Papenburg.

Wir sitzen beim Frühstück. Der Kaffee steht dampfend da, dazu Toastbrot, wir kämpfen beide mit den Nachwehen einer Magengrippe. Genau wie das halbe Dorf hier bei uns. Der einzige, der sich durchgeschlagen hat ist Sjipke, unser Welsh Springer Spaniel.

Gefrühstückt wird bei uns auf dem Sofa, jeder gemütlich in einer Ecke, mit Kaffee und einem Teller auf dem Schoß. So unterhaltenen wir uns über die neuesten Nachrichten, die uns von dem Nachrichtensprecher präsentiert werden.

Sjipke liegt dann wohlig zwischen uns, für ihn jedenfalls sehr behaglich. Mir wird dann meistens der Kopf zuteil, dieser liegt dann halb auf meinem Schoss und er gibt dabei leicht undeutliche Knurrgeräusche von sich. So eine Art Protest, dass ich doch ruhig sitzen bleiben soll, weil er sonst nicht in den Schlaf kommt. Echt, das ist so eine Art inneres Gurgeln, das man nicht mit anhören kann!

Els wird für jede Bewegung, wie klein auch immer, durch Sjipke abgestraft. Mit ordentlichen Schubsen der Hinterpfote gibt er zu verstehen, dass er eigentlich mehr Platz zwischen uns braucht, zumindest mehr, als ihm zugeteilt wurde.

 

Ach, wie lang dauert so eine Nachrichtensendung überhaupt? Das Ende der Sendung ist dann für uns auch meistens das Zeichen um aufzustehen und jeder beginnt damit, seine Dinge zu tun. Das will sagen, Els erzählt zuerst, was sie vorhat und oftmals schließt sich ein Satz wie dieser an:

„Ich denke das Du …..“, dann werden meistens eine Anzahl von Dingen aufgezählt, wovon sie dann erwartet, dass ich sie machen werde. Die jahrelange Erfahrung hat mir gezeigt, dass dagegen anmurren nur noch mehr Frustration mit sich bringt, also tue ich das nicht mehr.

Folgsam steh ich dann auf und fange an mit den Aufgaben, die wir uns ‚zusammen’ ausgedacht haben. Wenn die Aufgaben draußen zu erledigen sind, ist Sjipke wie immer blitzschnell dabei. Wenn er merkt, dass ich nur Papierkram zu erledigen habe, folgt ein tiefer Seufzer und ein mitleidiger Blick, dann dreht er sich rum, reckt sich und schläft ruhig weiter, sein Körper nimmt dann das ganze Sofa in Beschlag. Seine Körperhaltung strahlt dann aus, dass er froh ist, das wir endlich weg sind von ‚seinem Sofa’!

 

Nicht so an diesem Morgen! In der Woche haben wie die Weihnachtsdekorationen wieder für ein Jahr weggeräumt. Dies sehr zur Erleichterung meines treuen Freundes, er hält absolut nichts von dem Zeugs in seinem Haus. Das Leiden ist nun wieder vorbei, der ganze Kram ist wieder an seinem Platz und so sieht es etwas kahl aus, als ob etwas fehlt.

Es wird Zeit, dass wir das Frühjahr ins Haus holen, etwas Grünes muss hinein!!

Der Moderator nimmt Abschied von den Zuschauern und wir sehen uns gegenseitig an. Noch bevor wir etwas sagen können, steht ‚der Herr’, heftig mit dem Schwanz wedelnd, auf, setzt sich päpstlich vor das Sofa und schaut uns, einen nach dem anderen, durchdringend an. Wir sehen uns etwas erstaunt an. Wir haben uns überhaupt noch nicht entschieden, was wir an diesem Tag unternehmen werden, aber Sjipke hat offenbar schon beschlossen, dass es ein Festagt werden wird.

„Ich möchte eigentlich wohl eben nach Papenburg, zu REAL (so etwas ähnliches wie Albert Heijn), um ein paar Einkäufe zu machen“, meldete sich Els.

Bei dem Wort Papenburg geht die Frequenz des Schwanzes hin zu einem höheren Tempo.

 

Das passt mir gut, ich muss noch eben zu OBI (für die nicht Heimwerker: so etwas wie die deutsche Variante von Gamma/Praxis oder auch Karwei!)

Als er das Wort OBI hört, geht der Schwanz richtig ab. Es nimmt nun gefährliche Formen an, das wedeln macht soviel Wind, das die Krümel von meinem Teller drohen wegzuwehen. Er dreht sich entschieden um und rennt in die Küche. Aus der Küche kommt nun jede Menge Radau. Ich höre, dass er in ‚seinem’ Korb nach dem richtigen Stofftier am rumsuchen ist, das ihn heute auf dem Weg zu OBI begleiten soll.

Wahrlich keine leichte Wahl. In dem Korb ist nämlich eine Stofftierkollektion, die er in seinen neun Jahren aufgebaut hat. So manches Waisenhaus wäre stolz auf so eine Ansammlung von Spielzeugtieren wie die, die da im Korb liegt. Unser Sjipke hat von klein auf an noch nie ein Spielzeugtier kaputt gemacht. Das ganze Arsenal an Knuffeltieren ist immer noch komplett vorhanden.

 

Sjipkes Schnuffeltiere.

Eines Tages hatte meine Frau einen Versuch unternommen, das ganze ‚aus zu dünnen’, einfach durch aussortieren der ältesten Stücke in einen grauen Sack, bestimmt für die Heilsarmee. Prompt nahm er neben dem Sack Platz und war da um nichts in der Welt mehr weg zu kriegen.

Ich habe ihn dann nach draußen gelassen, nach so einer halben Stunde an der frischen Luft waren wir der Meinung, dass er nicht mehr daran denken würde. Als er zurückkam, war sein erster Gang zu seinem Korb und er begann wie verrückt darin zu graben und zu suchen. Als er sich davon überzeugt hatte, dass das, was er suchte, dort nicht mehr zu finden war, begann die Spurensuche durchs Haus.

Voller Elan sauste er durchs Haus, ein Zimmer nach dem anderen wurde akribisch durchsucht nach den verlorenen Schmusetierchen.

Schließlich landete er vor der Garagentür, da blieb er stocksteif stehen, sah mich ziemlich vorwurfsvoll an und begann furcht erregend an der Unterkante der Tür zu schnüffeln.

Els kam jetzt auch noch dazu. Sie hatte nicht gesagt, wohin sie die Knuddeltiere gebracht hatte, sie sah mich an und nickte in Richtung Garagentür:

„Ich weiß wirklich nicht wie er das anstellt, aber sie liegen auf dem Gestell in der Garage. Ich habe ihm wirklich nichts davon erzählt!!“

In diesem Moment geht sein Kopf hoch und er beginnt damit, mir etwas vor zu heulen, es klang so wie langes tiefes schluchzen.

Ich habe die Tür geöffnet und noch bevor ich die Klinke loslassen kann, hat er sich bereits einen Weg durch den dunklen Schuppen gebannt. Aufrecht stand er unter dem Gestell, wo der Sack mit seinen alten Knuffeltieren lag. Wild mit dem Schwanz wedelnd, als ob er ein verloren geglaubtes Kind gefunden hätte, stand er neben dem Regal.

„Gib ihm in Gottesnamen die Meute zurück, er macht ja weiter nichts damit“, rief ich ein wenig verzweifelt.

„Rob, der Korb quillt über, da passt normal nichts mehr rein!!“

„Dann kaufen wir einen größeren!!! Ich kann es einfach nicht mit ansehen, dass das Tier wegen so ein paar alten Stofftieren leidet!“ Inzwischen war ich schon dabei, den Sack wieder aus dem Regal zu ziehen.

Der viel runter, mit der offenen Seite nach unten.

 

Ergebnis? Alle Stofftiere auf dem Fußboden, Sjipke so froh wie ein Kind. Er rollte sich auf dem Rücken zwischen seinen Knuffeltieren. Sie haben es vielleicht schon mal gesehen, ein Tier, das sich ’glücklich’ fühlt, legt sich rollend auf den Rücken, so auch unser Wuff!!

Nach der ersten Begeisterung begann er wie ein Verrückter alle Stofftiere zugleich zu packen, jedenfalls hat er es versucht. Schließlich hatte er drei zu packen und machte sich eilig damit auf den Weg zu seinem Korb und lege seine Schmusetierchen wieder rein (zwei rein und eins daneben, ach der Wille zählt!) Den Gang hat er noch ein paar mal wiederholt, die letzten Stofftiere habe ich dann mitgenommen zu seinem Korb. Er lief neben mir, ohne auch nur ein einziges mal zur anderen Seite schauen. Als dann auch das letzte wieder an seinem Platz lag, rollte er sich in seinem Korb, zwischen den Schnuffeltierchen die da noch rum lagen, und viel in einen tiefen zufriedenen Schlaf.

 

Auf dem Weg.

Meistens bringen unsere Gäste auch für Sjipke einen Knuffel mit, wenn sie uns für ein paar Tage besuchen kommen. Daher auch die idiotisch große Menge an Plüschtieren bei uns im Haus. Wie ein Kind steht er schon an der Tür um zu sehen, was die Menschen bei der Ankunft für ihn dabei haben und freut sich wie ein Kind über jedes Geschenk. Stolz wie Oskar marschiert er dann durchs Haus mit einem Ausdruck auf seiner Schnauze die so was ausstrahlt wie ‚probier mal eben, mir das wegzunehmen’. Stolz wie so ein alter Affe. Das Tierchen ist dann sein Lieblingstier, bis es durch ein nachfolgendes Geschenk abgelöst wird.

 

Plötzlich steht er vor mir, mit einem ‚blauen Drachen’ in seinem Maul. Da ist das Tier, das er vor ein paar Wochen von einem unserer Neffen bekommen hatte, seine Oberlippe ist leicht nach oben gezogen, so dass es aussieht, als ob er lacht.

Das Schwanzwedeln ist nun mittlerweile in eine rhythmische Bewegung des ganzen Körpers, die an die Fortbewegung einer Schlange erinnert, übergegangen. Der ganze Körper strahlt nun so etwas aus wie „komm Chef, ich bin fertig, wir können nun los!“

 

Ich muss ihn enttäuschen. Meine Frau legt nun mal Wert darauf, dass ich mir erst noch mal die Dusche von innen ansehe, bevor wir die Erlaubnis bekommen, das Haus zu verlassen.

„Tja Junge, du musst noch etwas warten, Herrchen (seltsamer Ausdruck eigentlich, der einzige, der das Gefühl hat das er das Herrchen ist, muss ich wohl sein. Meine beiden Hausgenossen, Frau und Hund, lassen mich in diesem Glauben. Beide in der vollen Überzeugung, dass sie es sind, die das Sagen haben). Herrchen geht noch mal kurz unter die Dusche und wenn Els dann fertig ist, gehen wir los.“ Er schaut mich an und macht einen Seufzer, zur Bestätigung, dass mein Leben auch ziemlich schwer ist!

Nun beginnt das große warten und sich Sorgen machen, ob wir ihn nicht vergessen werden. Das hin und her laufen zwischen Els und mir, zwischen der Vordertür und uns, das austauschen der Knuffeltiere, wieder das pendeln zwischen der Vordertür, uns und der Garage hört in dem Moment auf, in dem wir fertig sind und ihn das auch wissen lassen.

Ich laufe durch die Garage zum Auto und öffne es. Hinten im Auto ist sein Platz, sein Reich.

Die hinteren Sitze sind umgelegt. So dass da ein großes Kissen mit diesen kleinen Kügelchen innen drin, hineinpasst, wo er sich herrlich hineinkuscheln kann. Mit dem Kopf auf seinem Schnuffeltier strahlt er volle Zufriedenheit aus. Gerade in dem Moment, als ich die Heckklappe schließen will, springt er aufgeregt auf und schießt an mir vorbei zurück ins Haus. Um zehn Sekunden später mit einem anderen Stofftier zurückzukommen. Ich schaue ihn erstaunt an und sage: „Du kannst jetzt nicht die ganze Box mitschleppen, mein Freund, es reicht so!!“

Endlich sitzt die ganze Familie im Auto, Sjipke hat das Plüschtier der Woche zwischen uns gelegt und liegt nun mit dem Kopf zwischen uns, um zu sehen, ob ich nicht zu schnell fahre!!!

 

Die besten Steuermänner gibt es an Land

Ob sie es glauben oder nicht, aber keiner meiner beiden Mitbewohner hat einen Führerschein. Doch keiner von beiden enthält sich der Kommentare während der Fahrt. Bei meiner Frau hat das meistens einen Bezug zu den ‚pass auf’ - und ‚sieh nach vorn’ - Situationen. Auch die Radfahrer und Fußgänger als Verkehrsteilnehmer werden von ihr regelmäßig als potentielle Gefahrenquelle angesehen. Wobei sie normalerweise ständig davon ausgeht, dass mein Blick so eine Art Tunnelblick sein muss, wobei die linke und rechte Straßenseite aus unerklärlichen Gründen meinem Gesichtsfeld entfallen.

Das geht dann ungefähr so:

Wir fahren auf irgendeiner Straße, zweispurig, kein anderer Verkehr in Sicht, außer einem Radfahrer, der uns in etwa 200m Entfernung entgegenkommt.

Ihre Hände gehen jetzt nach vorne. Sie stemmt sich gegen das Armaturenbrett und spannt sich an, offenbar in Erwartung des Schlags, der gleich kommen wird. Der Abstand zum Radfahrer beträgt immer noch so etwa 150m und er fährt ganz ruhig auf der anderen Seite der Straße.

„Pass bloß auf!“, ruft sie.

„Was meinst du mit ‚pass bloß auf?’, worauf denn?“, sage ich dann.

„Du musst auf den Radfahrer da aufpassen.“ Mit ihrem Kopf machte sie eine vage Bewegung in Richtung des einsamen Radfahrers.

„Du willst mir doch jetzt nicht erzählen, dass du den nicht gesehen hast! Du sitzt auch nur da um rumzukucken! Du musst auf die Straße achten!! Pass nun mal auf!“

Der Radfahrer kommt nun ‚gefährlich’ schnell näher, er ist noch so ungefähr 100m vor uns.

Ich kann es dann nicht lassen und sage:

„Welchen Radfahrer meinst Du nun, den da, der auf uns zu kommt oder den, der neben uns fährt?“ und zeige vorsichtig mit der rechten Hand vor ihr längs.

Abrupt dreht Els ihren Kopf, um zu sehen, welche Gefahr uns noch mehr bedroht, sie sieht natürlich nichts.

Sie kann nichts sehen, weil da nichts ist, oder?

„Wo denn?“ Während sie sich nun fast ganz umdreht um den vermissten Radfahrer zu suchen, fährt der andere Radfahrer, freundlicherweise auf seiner Hälfte der Fahrbahn, an uns vorbei. Els schaut jetzt erschreckt nach vorne in die Leere, dahin, wo gerade noch ein Radfahrer fuhr. „Wo ist er jetzt?!“ ruft sie erstaunt.

In diesem Augenblick fange ich an zu lachen. Tja, das kommt dann gerade nicht so gut, aber ein paar hundert Meter weiter ist der Vorfall bereits vergessen und ich mache mich bereit für die nächste Ermahnung!!

Ich habe die Neigung, mich dem laufenden Verkehr anzupassen (das führe ich zumindest immer als Entschuldigung an, wenn ich wieder mal etwas schneller als erlaubt fahre). Eine Straße, wo neunzig erlaubt ist, mal eben 95 fahren. Aber natürlich nur da, wo es eben geht!

In dieser Beziehung sind beide, mein Hund und meine Frau, ein Stück weniger entgegenkommend. Meistens ist es meine Frau, die als erste merkt, dass ich wieder mal ein paar Kilometer schneller fahre als erlaubt.

„Schatz….“, ist dann das einzige was sie raus bringt. Sie sieht dabei stoisch voraus.

„Ja…“ ist dann meine Antwort.

„SCHATZ….“, weiter kommt sie auch nicht bei dem zweiten Versuch.

„JA….. was ist denn“ rufe ich dann etwas irritiert.

„Nun sag mal, du brauchst nicht so bissig sein, hörst du! Du fährst wieder viel zu schnell, du darfst hier nur siebzig!!“

„Dann musst du sagen, du fährst zu schnell! Da weiß ich wenigstens, was du meinst. Wenn du immer nur ‚Schatz’ sagst, dann weiß ich nicht, was du willst. Du musst sagen was du meinst.“

Dann ist es kurz still, Zeit um mich zu formieren!

„Du weiß genau was ich meine, wenn ich ‚Schatz….’ sage. Dass weißt du verdammt gut, halt mich man nicht für so dumm wie du bist!!“

„Ich kann doch nicht deine Gedanken lesen!! Vielleicht sagst du ja Schatz zu mir um mich wissen zu lassen, dass du mich liebst, könnte ja sein? Übrigens fuhr ich nun nicht allzu schnell, da man dort 90 fahren durfte und nicht siebzig!“

Nun, das hatte gesessen, dachte ich!!

„Du fährst immer zu schnell, wenn du da neunzig durftest dann fährst du 95, ich kenn dich doch. Du fährst immer zu schnell“!

Nun hat’s mir die Sprache verschlagen, soviel Frauenlogik war zuviel des Guten.

„Versteh ich das jetzt richtig, dass du einfach mal was Ausrufst ohne zu wissen, wie schnell ich fahre oder wie schnell ich fahren darf?“, rief ich mit erhobener Stimme.

„Du brauchst mich nicht anschreien, hörst Du!“

Nun war es an der Zeit für Sjipke um sich in den Streit einzumischen, es ertönte ein gefährliches Knurren vom Kissen zwischen uns und ‚der Herr’ hob dabei mal eben den Kopf und machte, so es denn ging, noch tiefer röchelnde Geräusche, womit er seine Missbilligung kundtat.

 

„Siehst du, das Tier denkt auch, das du rumschreist, du machst das wie immer mit Absicht um uns zu ärgern!“

„Was mache ich absichtlich? Ich war nun völlig neben der Spur, „seit wann bist du Martin Gaus?

[Anm. v. mir: Gaus ist ein Hundeexperte aus Holland]

Worum geht es hier denn eigentlich?“, fragte ich mehr hypothetisch als dass ich eine Antwort erwartete!

„Über das rumgebrülle von dir, rede doch normal!“

„Ich schreie, weil du dich ungerecht verhältst, darum schreie ich! Normal bin ich die Ruhe selber, wenn du dich nicht so ungerecht benimmst bin ich ja auch ruhig!“, rief ich beleidigt aus.

„Oh ja, es ist meine Schuld, natürlich habe ich es wieder getan, nun, ich sage jetzt gar nichts mehr!“ Um ihren Worten noch mehr Ausdruck zu verleihen schlägt sie demonstrativ die Arme übereinander und sitzt ‚schweigend’ da.

Sjipke steht jetzt auch demonstrativ auf und dreht sich um, mit dem Hinterteil auf die vordere Hälfte zwischen uns. Hierbei lässt er einen tiefen Seufzer! Zumindest dachten wir das anfangs.

 

Nach einigem beleidigt vor uns hin starren höre ich ein leises Schnüffeln neben mir. Ich beschloss nicht zu reagieren, ich lass mich doch nicht vorführen.

Plötzlich wird das Geschnüffel heftiger, ich schaue jetzt aus meinen Augenwinkeln um zu sehen, was ihr die Tränen in die Augen treibt. Sollte ich doch zu hart rum geschrieen haben wegen so unwichtigem Zeugs?, geht mir gerade durch den Kopf. Nun schaue ich richtig zu Els rüber und sehe, dass ihr Geschnüffel nichts mit Kummer zu tun hat, sondern dass sie ihre Nase arbeiten lässt. Plötzlich erscheint da ein großes Lächeln auf ihrem Gesicht als sie mich ansieht.

„Ist dir nicht gut?“ ist meine besorgte Reaktion.

„Riechst du nichts? Riech mal! Dann musst du doch was riechen“

Auch ich hebe jetzt meine Spürnase und schnüffle drauf los.

Plötzlich wird mir anders und ich rufe:

„Gottallmächtiger, was ist das für eine Luft! Nicht auszuhalten!“

Je mehr ich den üblen Geruch rieche, desto mehr nimmt das schallende Gelächter von Els im gefährlichen Ausmaße zu. Ich fang jetzt auch an zu lachen. Den Seufzer, den Sjipke ließ, wovon Els und ich überzeugt waren, dass er damit kenntlich machen wollte, dass er genug von dem Gekibbel hat, erwies sich doch wohl als ein ganz normaler Furz.

 

Ach, ich will mal so sagen: „Der Furz, genau in dem Moment, hat die Luft zwischen uns ordentlich gereinigt!“

 

Ziel erreicht

Die weitere Fahrt verlief in einer gemütlichen Atmosphäre, beide überließen das Autofahren jetzt mir und ich habe sie unversehrt dahin gebracht, wo sie hinwollten, zum OBI-Markt in Papenburg.

Nun, OBI ist einer von Sjipkes Lieblings-Einkaufsmärkten. Er läuft normal nie an der Leine und bleibt dabei immer ordentlich in unserer Nähe um uns herum. Wenn wir einen Laden betreten, geht er an der Leine.

Nicht so bei OBI. Da kann er sich frei zwischen den Regalen bewegen, das Stammpersonal kennt ihn und begrüßt ihn wie einen alten Freund der reinkommt. Er trägt seine Leine selber, ordentlich in seinem Maul, und sieht ständig um sich rum.

Er erkennt das Personal und geht direkt drauf zu, wenn er jemanden bekanntes sieht.

Am Eingang werden OBI - Fähnchen an Kinder verteilt. Sjipke stand neugierig vor dem Jungen von OBI und schaute, was das wohl ist was er in den Händen hält. Der OBI Mitarbeiter sah mich an und fragte: „Darf er auch eine?“

Ich nickte ihm zu und der Junge hielt ein Fähnchen vor seine Schnauze. Vorsichtig nahm er es an und lief, so stolz wie man nur sein kann, mit seiner Neuerwerbung in das Geschäft hinein.

 

Sjipke genießt die ganze Aufmerksamkeit, die man im schenkt. Er lässt sich willig ansprechen und hört gerne zu, wie man ihn süß und lieb nennt und ihm hinter den Ohren krault.

So hoppelt er von einem zum anderen und genießt in vollen Zügen die Zuwendungen, die er erhält.

Nach so etwa 15 Minuten beginnt ihn das deutlich zu langweilen und er probiert, Els und mir deutlich zu machen, dass es jetzt genug ist.

‚Der Herr’ stellt sich dann quer vor uns, wenn wir einen anderen Weg einschlagen wollen als den zum Ausgang. Das ist seine Art, um das ‚Rudel’ in eine bestimmte Richtung zu zwingen. Einmal an der Kasse angekommen reihen wir uns ordentlich in die Schlange ein. Da sind so etwa  vier oder fünf Leute vor uns.

Einen nach dem anderen sieht er sich ungeniert an. Er stellt sich vor sie hin und nimmt sie, mit ein wenig Missachtung, von Kopf bis zu den Zehen in sich auf und geht dann zum nächsten in der Reihe. Dieser ruft ihn und will ihn streicheln, just den ignoriert er und läuft direkt an ihm vorbei.

 

Der nächste in der Reihe ist eine etwa ältere Frau, die ihn rührig ansieht. Er nimmt sich Zeit, um sie in sich aufzunehmen. In dem Moment, in dem er sie ansieht macht sie eine kaum wahrnehmbare Bewegung mit ihrem Kopf. Sjipke schaut sie tief an und zögert keinen Moment und steckt seinen Kopf zwischen der Frau ihre Knie. Das löst bei der Frau, milde gesagt, einen Schrei des Schreckens aus. Ich beeile mich ihr zu erklären, dass meine Frau ihm das, unbewusst, angelernt hat.

Früher, als er klein war, machte er das regelmäßig bei Els. Els ‚belohnte’ dann sein Verhalten mit kraulen hinter den Ohren und im Nacken. Seit dieser Zeit denkt er, dass jede Frau weiß, was zu tun ist, wenn er seinen Kopf  zwischen ihre Beine steckt. (Tja, und so läuft das nun mal nicht, Jungs!!!) Die Frauen, bei denen er das tut, nehmen es meist sportlich und beginnen dann spontan, ihn hinter den Ohren zu kraulen. Was ihn wiederum in seinem Verhalten bestärkt.

 

Der letzte Kunde in dieser Reihe ist ein junges Paar mit einem Baby im Kinderwagen, das da liegt und leise gurrenden Geräusche macht. Dies zieht natürlich seine Aufmerksamkeit an. Kleine Kinder und besonders Babys sind mächtig interessant.  Er hat einmal Stunden bei dem  vier Wochen alten Baby unserer Nichte gelegen, die bei uns zu besuch war. Immer wenn das Baby Geräusche machte, war er sofort wach und aufmerksam. Wen das Baby wieder ruhig einschlief, begann auch sein Kopf wieder weg zu sacken. Kinder sind von Hause aus schön. Lecken an den Händen (ach, nenn mir ein kleines Kind, das keine Krümel an seiner Hand hat oder Spuren von Milch?) ist so ungefähr das schönste was es gibt, nicht wahr! Das junge Parr ließ ihn kurz in den Wagen kucken und schon war es gut.

Voller stolz stapfte er in die Kabine der Kassiererin, die Kunden mussten wohl kurz warten, erst gab es eine herzliche Begrüßung zwischen zwei alten Bekannten. Die Kassiererin ging auf die Knie und es war eine knuffelige Geste. Normalerweise beschweren sich die Kunden, wenn es mal wieder etwas länger dauert, diesmal aber nicht. Jeder in der Reihe hatte größte Freude bei der Begrüßung der beiden.

 

Als wir dann mit dem bezahlen an der Reihe sind, kommt ‚der Herr’ wieder langsam auf die Beine, er hat ordentlich bei der Kassiererin gelegen und auf uns gewartet. Noch stets seine Leine und die eroberte Flagge starr in seinem Maul. Er geht schon voraus zum Ausgang. Dort an der Tür kommt noch eben einer der OBI Jungs angelaufen, um ihn noch mal zu streicheln.

„Ich hörte, dass er hier im Geschäft war und ich hatte ihn noch nicht gesehen, da habe ich gedacht, ich mal schnell guten Tag sagen, bevor sie wieder weg sind“, erklärte er sein Verhalten.

„Ich hab noch eine Frage, darf ich ein Foto von ihm machen?“

Ich fing an zu lachen.

„Ja, natürlich Junge, kein Problem!“ sagte ich.

Gleich kam ein hilfsbereiter Kollege angelaufen, der Junge hockte sich hin und ohne etwas sagen zu müssen, hat Sjipke es schon verstanden, was von ihm erwartet wird. Er setzte sich  direkt neben den Jungen, die Nase hoch, die OBI Flagge im Maul!

Sein Tag könnte nicht besser laufen!!!

Der Junge bedankte sich bei mir und nahm lachend Abschied.

 

Eine Stunde später waren wir wieder zuhause, alles ausgepackt und ab hinter den PC, um mal eben noch neuen Emails  zu schauen. Mein Blick fiel auf einen mir unbekannten Namen. Ich klickte auf die Mail und fing an zu lachen, so wie sie jetzt zu lachen anfangen sollten beim Anblick des Fotos!

 

 

Es war ein mehr als schöner Tag für Sjipke!!!

 

 

Übersetzung © Martin Hauschke, im Januar 2013

Original © Robert Barlage