Die Eröffnung der Gedenkstätte Esterwegen

27-03-2012 19:11

Die Eröffnung der Gedenkstätte Esterwegen

 

 

Es ist nun 66 Jahre her, dass die Nazis das Lager Esterwegen verließen.

Es ist nun 66 Jahre her, dass die letzten noch lebenden Gefangenen dass Lager Esterwegen verließen und nach Hause zurück kehrten. Mehr als 25.000 sollten nicht mehr nach Hause zurückkehren, sie blieben für immer zurück als ‚Moorsoldat’.

Nun, 66 Jahre später, kamen eine Handvoll der Überlebenden des barbarischen Nazi-Regimes, zurück in ihr ehemaliges Gefängnis.  An einen Ort, wo einst Tod und Verderben herrschte, wo die unmenschlichsten Taten durch die ehemaligen Herrscher des Lagers Esterwegen ausgeführt wurden, durch die SS.

Dieses Lager ist nun zum Symbol für Freiheit und Überleben geworden.

Das KZ (Konzentrationslager) Esterwegen ist wieder geöffnet.

Nicht so wie zu damaliger Zeit um Gefangene unterzubringen, nein, nun als Ort an dem man gezwungen ist, über die Geschehnisse nachzudenken. Der Niedersächsische Ministerpräsident David McAllister formulierte es in seiner Ansprache anlässlich der Eröffnung dann auch sehr treffend:

„den Geschehnissen Gedenken, Gedenken ist Lernen für die Zukunft“ und genau so ist es!

Beim Wandern über das neu gestaltete Gelände, auf dem Platz, wo früher die Baracken der Gefangenen standen, als Mahnmal für alles, was nie hätte geschehen dürfen, spürt man die Anwesenheit all der Gefangenen.

Wenn die Bäume hier doch erzählen könnten.

 Dann würden sie von den schrecklichsten Dingen berichten, die sich hier in Unfreiheit abgespielt haben. Dann würden sie die größten Verbrechen gegen die Menschlichkeit bezeugen, die sich hier zugetragen haben. Sie würden davon berichten, was die Gefangenen mitgemacht haben. Sie würden erzählen, welches Unrecht ihnen angetan wurde. Sie würden…

Hendrik Verheyen, einer der wenigen überlebenden Gefangenen des Lagers Esterwegen, gab es mit seinen eigenen Worten wieder, als er zu den etwa 1000 Anwesenden sprach.

„Liebe anwesenden Menschen! Das kann ich jetzt wohl sagen an einem Ort, an dem zur damaligen Zeit alles unmenschlich war.“

Wenn die Bäume hier doch erzählen könnten.

Dann würden sie erzählen, wie hier in den letzten 10 Jahren gearbeitet wurde, um einen Gedenkplatz für all die Gefallenen einzurichten.  Dann würden sie erzählen, wie all die Kriegsopfer der Nazis gelitten haben. Dann würden sie sagen, nie wieder!

Wenn die Bäume hier doch erzählen könnten.

Dann würden sie erzählen, wie, als eine Art Vorahnung von dem, was noch kommen wird, hier auf dem Gelände ein Kloster gegründet wurde. Dann würden sie erzählen, wie die Franziskaner Nonnen, in enger Zusammenarbeit mit der Stiftung, nahezu Tag und Nacht bereit standen um die Angehörigen und Hinterbliebenen der Gefallenen aufzufangen und beizustehen in ihrem Kummer und Leid. Dann würden sie erzählen, wie Viele Trost bei den Nonnen gefunden haben. Dann würden sie erzählen, dass die Nonnen hervorragende Arbeit verrichteten.

Wenn die Bäume hier doch erzählen könnten.

Dann würden sie erzählen, wie wichtig es ist, das wir der Freiheit Gedenken. Dann würden sie erzählen, wie gut es ist, dass auch die Generationen  nach uns wissen, was hier einst geschah. Nicht um im Zorn zurück zu blicken. Nicht um im Hass weiter zu leben. Nein, sie sollen dann erzählen, wie wichtig es ist, dass wir gemeinsam einen Ort geschaffen haben, wo die Vergangenheit mit der Gegenwart und der Zukunft zusammen dafür sorgen, dass eine bessere Zukunft für die Jüngeren nach uns,  vor uns liegt.

Wenn die Bäume hier doch erzählen könnten, wenn die Bäume hier doch erzählen könnten………….

Aber dafür haben sie uns ‚Menschen’. Um über die Vergangenheit zu erzählen, über die Gegenwart zu erzählen, um über die Zukunft sprechen. Erzählen, Worte vermitteln und die Worte in Taten umsetzen.

Von dieser Stelle wünsche ich Frau Dr. Andrea Kaltofen und ihren Mitarbeitern sowie den Schwestern des Franziskaner-Ordens viel Erfolg beim Durchführen ihrer Aufgabe.

Jedenfalls können diese Menschen uns vermitteln, was die Bäume gerne hätten erzählen wollen.

 
 
Hinweis:Es hat mich erstaunt, dass es so gut wie keine Beachtung der Eröffnung in den niederländischen Medien  gab. Sowohl die schreibende Presse als auch das Fernsehen glänzten durch Abwesenheit.
Schade, eine verpasste Chance!