Am falschen Ort !!!

07-04-2012 23:32

 

 

„Kroketten!! Gewöhnliche Hollandische Kroketten! Das ist es, was ich am meisten vermisse“.

 

 

In der Schlange an der Kasse vom Real, einem großen Supermarkt in Papenburg in Deutschland, hörten die Leute, die hinter uns in der Reihe standen, dass wir uns auf Niederländisch unterhielten. Es zeigte sich, dass das etwas ältere Ehepaar vor etwa sechs Wochen den Schritt über die Grenze gewagt hatte, von der Randstad [Amsterdam] in den Niederlanden hin in den Norden Deutschlands, wo sie sesshaft wurden. Sie hatten sich in der Umgebung von Leer niedergelassen und waren nun auf ‚Entdeckungsreise’ in Papenburg angekommen.

Der Mann setzte seine Ausführungen fort und berichtete spontan „Ich kann auch keinen FEBO [holländische Imbisskette] finden und eine ordentliche Snackbar gibt’s hier auch nicht. Ja gut, einen ‚Imbiss’ schon, aber kein broodje ‚van Dobben’ oder ein ‚broodje van Kootje’ [beides Restaurants/Imbisse in Amsterdam] und das ist doch eigenartig, nicht wahr, mein Herr.  Ich meine, dass sie diese gewöhnlichen Dinge hier nicht haben. Selbst in Spanien sieht man doch noch normalerweise die ordentlichen Läden und das ist doch viel weiter weg! Auf jeden Fall.“

Bevor ich noch nachdenken konnte, war es schon draußen:  „Vielleicht sind sie einfach in das falsche Land ausgewandert?“ fragte ich ihn lachend.

Der Mann wurde ruhig und man konnte förmlich sehen, wie er über meine Worte nachdachte. Ich war schon meine ‚zu’ schnelle, lustig gemeinte Anmerkung am Bedauern und wollte gerade sagen, dass es nicht ernt gemeint war.

Der Mann kam mir zuvor, er drehte sich um zu seiner Frau, sah ihr tief in ihre etwas müden, grauen Augen und sagte:

„Siehste mein Weiblein, der Mann sagt genau das, worüber wir uns heute Morgen unterhalten haben. Wir sind einfach zur falschen Seite gefahren. Wir müssen einfach nach Fuengirola [Costa del Sol, Spanien, Andalusien]. Da haben sie alles, was in einer normalen Zivilisation notwendig ist. Ich werde unsere Hütte einfach wieder verkaufen und wir ziehen um.“

 

Bei diesen letzten Worten drehte er sich wieder um und sah mich an.

„Besten Dank, alter Mann. Du hast mich wieder auf den richtigen Weg gebracht. Wir hatten uns schon darüber unterhalten, aber nun weiß ich es ganz sicher, wir gehen!“

Ich war sprachlos, der Blick in seine Augen verriet mir, dass er meinte was er sagte. Ich wollte gerade noch etwas sagen, aber ein Schubs meiner Frau gegen mein Schienbein machte mir klar, dass ich das besser nicht tun sollte.

Ich war dabei, die letzten Waren vom Band in den Einkaufswagen zu legen, als ich eine Hand auf meiner Schulter spürte. Ich sah auf und da stand das ‚Weiblein’ von gerade eben, sie hatte noch immer den melancholischen Ausdruck in ihren Augen und sagte:

„Ach, so ist er nun einmal, sehr impulsiv aber auch sehr lieb. Deswegen laufe ich ihm auch schon mehr als 40 Jahre hinterher. Nächste Woche sind wir in Spanien, da können sie Gift drauf nehmen. Keiner wird ihn nun noch davon abhalten können!“

 

Sie ging langsam fort, ihr Mann stand ein paar Meter entfernt und wartete, freundlich winkend, mit einer vollen Einkaufstasche von Albert Heijn [Discounter in NL] in seiner Hand. Während sie fort ging, drehte sie sich noch einmal um und sagte schnell:

 

„Aber ja, die haben dort wohl Kroketten, hey!!“

 

 

Original © Robert Barlage, Übersetzung ins Deutsche © Martin Hauschke